Hoch das Prinzenbein – Strafe muss sein

 

Die KG Närrische Oberberger nahm 1.100 Besucher mit auf einen karnevalistischen Parforceritt. Etliche Stühle im Festzelt wurden eigentlich gar nicht benötigt, denn viele der bunt kostümierten Jecken feierten bei der Sitzung im Festzelt von Beginn an im Stehen oder funktionierten die Sitzmöbel zu Stehplätzen um. In den Gängen wurde munter getanzt. Sitzungspräsident Peter Miebach und sein Elferrat durften mehr als 1.100 Besucher herzlich willkommen heißen.

Bilder: Michael Gauger  — Im Festzelt herrschte von Beginn an eine tolle Stimmung, Alt und Jung feierten eine große Party.




Fast schon traditionell dürfen zu Beginn dieser Veranstaltung die eigenen Kräfte ran. Und so marschierten neben Kinderprinz Oliver I. und Prinzessin Victoria und deren Schmölzchen, der Kinder-Elferrat und die Tanzjugend ein. Auch der große Elferrat und das Dreigestirn bahnte sich konfettischießend den Weg zur Bühne.

Die Gardepänz zeigten flotte Tänze, dem die der Jugendtanzgruppe folgten. Und da sich Prinz Michael II. zuletzt einen kleinen Schnitzer geleistet hatte und die Truppe als „Kindertanzgruppe“ betitelt hatte, folgte nun eine Wiedergutmachung. Er musste mittanzen und gab sich auch zur Freude der Kids und dem Publikum reichlich Mühe. Kleine und große Tollitäten präsentierten ihre Sessionslieder und machten Platz für den ersten Kracher des Tages.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kinderpräsident Yannik Klug und sein großer Kollege Peter Miebach rockten gemeinsam.




Mit der Band Kasalla ging die Post  dann so richtig ab. Die Jungs gastierten zum dritten und bestimmt nicht zum letzten Mal im Ort, war sich Miebach sicher. „Pirate, Stadt met K“ oder das ruhigere „Mir sin eins“, textsicher wurde laut mitgesungen und geschunkelt. Zwei Zugaben forderten die Jecken, Miebach zündete eine Saal-Rakete, erst dann ging die Reise weiter.

Über Tische und Bänke ging es bei „De Boore“, die mal eben mitten im Saal aufspielten. Die Band gibt es seit 1998 und nicht nur ihr „Rut sin de Ruse“ wurde zum Hit. Bernd Stelter lief als Redner zur Hochform auf und wurde kräftig beklatscht, bevor mit dem Tanzkorps Rot-Weiss zu bekannten Hits die Beine und Mariechen flogen. Eine geplante Paragraphen-Einlösung der Tollitäten fiel leider aus, das Dreigestirn hatte leider das Training versäumt. Auch bei den Klüngelköpp stand das Zelt wieder Kopf, sie zeigten eine Trommel-Performance und flogen erneut mit dem Ballon dahin „Wo die Stääne sin“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hoch das Prinzenbein – Strafe muss sein.




„Ein Highlight jagt hier das nächste“, freute sich Sitzungspräsident Miebach. Für den nächsten Gast war es jedenfalls ein Heimspiel. Jörg Runge, der „Tuppes vum Land“ ist ein waschechter Engelskirchener Jung. Als Reimredner hat er sich im kölschen Fasteleer längst einen Namen gemacht und ist bekannt in Funk und TV. „Kuhl un de Gäng“ schalteten dann musikalisch wieder einen Gang hoch. Ihr „Ich han dä Millowitsch jesinn“ ist jedem bekannt, der neue Hit „Loss mer springe“ ließ den Saal und die Karnevalisten auf der Bühne hüpfen. Gitarrist Hubert verschlug es zwischendurch gar in luftige Höhen.

Die Schlossgarde hatte die Sessionstänze im Gepäck und gab gerne eine Zugabe. Kommandant Marco Tessitori drückte sich wohl unklar aus. Beim Kommando „Aufstellen zum Bütze“ rannte die Truppe Richtung Publikum und „bützte“, was das Zeug hielt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzter Auftritt für Jugendtanzoffizier Rouven – er wechselt zum Tanzkorps Rot-Weiss.




Die letzten Reserven mobilisierten die Jecken bei den Swinging Funfares, die nicht nur Karnevalshits präsentierten, sondern auch „Verdamp lang her“ mit dem gutaufgelegten Publikum sangen. Die Hausband „Seven up“ übernahm die musikalische Untermalung der Veranstaltung.

Quelle: oberberg-aktuell.de




 

 

KPG-Fete erwies sich als Publikumsrenner

Eckenhagener Karnevals-Party-Gesellschaft von Resonanz auf die neu konzipierte Karnevalsfeier völlig überwältigt – Feuerwehrgerätehaus platzt aus allen Nähten.

Bilder, Video und Schnitt: Michael Kleinjung — Miteinander statt nacheinander: die Eckenhääner, Schürmicher und Oesinghauser Tollitäten rocken gemeinsam die Bühne.




Unglaublich! Was gestern in Eckenhagen abging, ist kaum zu beschreiben. Die Karnevals-Party-Gesellschaft (KPG) hat sich selbst überholt. Da der große Saal im „Hotel zur Post“ nicht mehr zur Verfügung stand, waren die Jecken in das neue Feuerwehrgerätehaus umgezogen, das man ab sofort mit Fug und Recht als Eckenhääner Gürzenich bezeichnen kann. Eine weitere Neuerung war die Verlegung der Feier auf den Karnevalsfreitag.

„Orjohrjohrjohr“, aus der Nummer kommt die KPG nicht mehr raus. Dem Rosenmontags-Absacker in familiärer Beschaulichkeit stand erstmals eine bis zum Stehkragen gefüllte Festhalle gegenüber. Als die Tanzbienen und das Dreigestirn mit Prinz Mareike, Jungfrau Darlene und Bauer Laura-Marie aus dem „Eckenhääner Märchenland“ die Bühne betraten, war das Publikum nicht mehr zu bremsen. Die enorme Schlagzahl an Höhepunkten erlaubte während des fünfstündigen Programms kaum Zeit zum Luftholen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Mariellchen und Tussnellchen“ kamen direkt von der Piste aus Tirol.




Ob die Roten Funken und die „Next Generation“ der Prinzengarde St. Stephanus Bergneustadt, der Karnevalsverein Bielstein mit großem Gefolge oder die „Tolle Elf“ aus Wildberg –  alle Auftritte liefen geschmeidig ineinander. Das Kinderprinzenpaar aus Nümbrecht, der Karnevalsverein aus Oesinghausen, die Roten Funken aus Belmicke und die Narrenschar aus Schönenbach gaben sich ebenfalls die Ehre. Dazu belebten Eigengewächse wie Tim Grolms als Paul Panzer den Abend.

„Wir haben zwar gedacht, dass mehr Besucher kommen als sonst, aber damit haben wir nicht gerechnet“, so Moderatorin Marina Mayer-Pluschke, die zusammen Monika Schlich-Lange durch das Programm führte. Der mitternächtliche Auftritt des Duos als „Mariellchen und Tussnellchen“ bildete den krönenden Abschluss, bevor die Party mit DJ Roland Reh bis tief in die Nacht durchstartete. „Das ist das Beste, was es hier um die Ecke gibt“, freute sich einer der Gäste.

Quelle: oberberg-aktuell.de




 

 

Ründeroth – Ein Ort steht Kopf

Bereits seit 42 Jahren mischen die Ründerother kräftig im bergischen Karneval mit, denn damals wurde der Ründerother Karnevalsverein (RKV) gegründet. Wirt und Stammgäste der damaligen Gaststätte „Vier Linden“ hatten beschlossen: „Wir machen einen Karnevalszug durch die Oststraße!“. Und das ist bis heute so geblieben. In diesem Jahr liegt die Session zum zweiten Mal komplett in Frauenhänden. Was es wohl nirgendwo anders gibt, als in der Perle des Aggertals: Hier ist der Bauer die Mutter des Prinzen. An der Spitze der jecken Ründerother steht nun Prinz Svenja I., aus dem Hause Bosch.

Die Aggerperlen des Ründerother Karnevalsverein 1975 e. V. (RKV) Foto: Andrea Eischeid-Mathies




Die 27-jährige waschechte Gummersbacherin ist ein absoluter jecker Wirbelwind. Nicht nur dass sie leidenschaftlich gerne Handball in Marienheide spielt. Sie tanzt schon seit Jahren bei den Aggerperlen des RKV. Das ist auch der Grund, warum der Prinz keine weißen Strumpfhosen trägt, so besteht die Möglichkeit in kürzester Zeit das Oberteil auszuziehen, um sich in eine Aggerperle zu verwandeln und bei ihnen mitzutanzen.

„Als Streichelfachkraft, Tiermedizinische Fachangestellte, habe ich mir den schönsten Beruf ausgesucht“, so der Prinz. An seiner Seite steht der Bauer Renate, ebenfalls aus dem Hause Bosch. 1958 in Köln geboren, fließt schon von Geburt an jeckes Blut durch seine Adern. Beruflich ist er im Öffentlichen Dienst beim Oberbergischen Kreis tätig. Fast 40 Jahre spielte der Bauer Handball, heute sieht er lieber von der Tribüne zu. Ehemann Jörg und Tochter Sandra gehören ebenfalls zum Gefolge.

Als Dritte im jecken Damen-Trifolium zieht Jungfrau Christiane diese Session mit Prinz und Bauer durch die Säle. 1967 in Bochum das Licht der Welt erblickt, lebt sie seit 1989 im Oberbergischen. Hier lebt sie mit großer Leidenschaft ihr Hobby Karneval aus. Sie ist Praxismanagerin in der Praxis ihres Ehemannes, des Senatspräsidenten des RKV, Dr. Christian Cramer. Und zwei ihrer drei Söhne sind als persönliche Adutanten im Schmölzchen dabei. Die drei närrischen Damen absolvieren rund 130 Auftritte in der Session, von Köln bis Bergneustadt.

Diese koordiniert Prinzenführer Kai Gissinger hervorragend, so dass alle Termine perfekt zusammenpassen. Der 45-jährige Ründerother ist seit 19 Jahren im Karneval aktiv. Angefangen hat er als Elferratsmitglied und bereits seit 15 Jahren macht er den Prinzenführer. Ein Highlight im Programm des Trifoliums ist der Besuch in den Behindertenwerkstätten Oberberg in Bomig, denn hier hin gibt es auch privat gute Kontakte.

 

 

 

 

 

 

Das Damendreigestirn 2017 des RKV. Foto: Andrea Eischeid-Mathies




Die Kamelle für den Rosensonntagszug besorgt sich der RKV im Grosshandel. „Die Strüßjer holen wir im Diskounter, diese werden dann bei einem lustigen Abend mit Grünzeug von den Hofdamen und einigen Mariechen gebunden“, so der Prinzenführer.

Der RKV hat weitaus mehr zu bieten als die Tollitäten. Wie etwa die „Töchter Ründeroths“, die im Jahr 2006 gegründet wurden. Die sieben Frauen unterstützen den Verein und die Tollitäten und sind bei vielen Auftritten, sowie im Rosensonntagszug immer dabei und seit letztem Jahr mit einem eigenen Karnevalswagen.

Bereits seit 26 Jahren gehören die „Sirenen“ zum Bild des RKV. Damals wurde die 1. Frauengruppe des Karnevalvereins in der Küche der Ehrensirene Erika Kemmerling gegründet. Aus ihrem Schlachtruf „Alarm, Alarm, Alarm“, als Dank für eine Runde entstand der Name „Sirenen“. Auch diese zehn jecken Damen unterstützen ebenso wie die „Töchter Ründeroths“ den Verein und die Tollitäten.

Auch tänzerisch ist der RKV gut drauf. Die 21 feschen Mädels der „Aggerperlen“ haben Einiges zu bieten und begleiten oft das diesjährige Damen-Dreigestirn, da Prinz Svenja I. ja auch eine „Aggerperle“ ist. Mit stimmungsvollen und karnevalistischen Tänzen sind sie nicht nur in der fünften Jahreszeit unterwegs, sondern begeistern auch auf anderen Festen und Familienfeiern.

Die sechs- bis zehnjährigen Mädels und Jungs der „Dancing Kids“ sind die jüngsten im Verein. Die 29 energiegeladenen jungen Tänzerinnen und Tänzer sind das ganze Jahr über aktiv, auf Feuerwehr- und Sommerfesten, Geburtstagen und Jubiläen.




Seit über 30 Jahren ist das Korps der Torwache Ründeroth schon im Karneval aktiv, damals entstand die Idee eine „Garde“ zu gründen, die die Tollitäten in der Session begleitet. Im gesamten Oberbergischen und bergischen Kreis treten die feschen Männer der Torwache bei karnevalistischen und anderen Veranstaltungen auf. Davon rund 40 Auftritte in jeder Session, wobei sie regelmäßig die Stimmung zum Kochen bringen. Mit ihren tollen Tänzen begeistern sie die Damenwelt. Seit vielen Jahren richtet die Torwache die Kindersitzung im Dorfgemeinschaftshaus „Dö-Sti-Bu“ in Buschhausen aus.

Wer in Ründeroth noch mitfeiern möchte sollte sich folgende Termine in den Kalender eintragen: die Weiberfastnachtsparty am 23. Februar, ab 18 Uhr im Festzelt am Aggerstrand in Ründeroth, großer Rosensonntagszug, am 26. Februar ab 13.45 Uhr in Ründeroth und abends direkt nach Zugende Karnevalsparty im Festzelt. Hier ist zu beachten, dass die L 136 (früher B 55) zwischen 12.30 und 19 Uhr von der Einmündung Hammerwiese bis zur Einmündung Im Krümmel gesperrt ist.

Quelle: anzeigen-echo.de










 

 

Kölner Sternmarsch 2017 – 1600 Jecke zogen aus vier Richtungen zum Alter Markt

Der Sternmarsch der Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums feierte Freitagabend Jubiläum. Seit 1998, und damit zum 20. Mal, zogen die Kölner Veedelsvereine, die am Sonntag auch an den Schull- und Veedelszöch teilnehmen, am späten Karnevalsfreitag aus vier Richtungen auf den Alter Markt, um vor stimmungsvoller Kulisse das Wir-Gefühl zu feiern.

Der Sternmarsch auf dem Alter Markt fand am Freitagabend zum 20. Mal statt. Foto: Thomas Banneyer




Um 16 Uhr waren die Tribünen schon voll besetzt

Allerdings in den Kostümen vom Vorjahr, um den Sonntag nicht vorwegzunehmen. Dafür im Dunkeln und dazu bunt angestrahlt. Nur Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die eigentlich mitlaufen wollte, musste wegen einer schweren Erkältung mit einem Platz auf der Bühne Vorlieb nehmen. Schon ab 16 Uhr waren die Tribünen nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ voll besetzt.

1600 Teilnehmer aus 48 Vereinen

Die Karten dazu sind unbezahlbar, weil kostenlos. Sie werden fast ausschließlich über die Filialen des Hauptsponsors Sparkasse Köln-Bonn ausgegeben. Den musikalischen Auftakt machte in diesem Jahr das Orchester Helmut Blödgen, ehe um kurz nach 18 Uhr die Vereine eintrafen mit dem kleinen und großen Dreigestirn.

Schließlich sorgten die Bläck Fööss, der Jugendchor St. Stephan, Pläsier sowie die Micky Brühl Band für einen stimmungsvollen Ausklang. 1600 Teilnehmer aus 48 Vereinen zählte der Sternmarsch dieses Mal. Das ist Rekord.




Kostümparty „Kölle Alarm“

Ganz ohne Alkohol feierten Kinder und Jugendliche von zwölf bis 16 Jahren im Hotel im Wasserturm Karneval. Dort stieg am Freitag die Kostümparty „Kölle Alarm“ mit rund 800 Besuchern. „Wir wollen den Kindern und Jugendlichen zeigen, dass man auch ohne Alkohol Spaß an Karneval haben kann“, sagte Frank Tinzmann, Vorsitzender von „Kölle Alarm“.

Karneval feiern ohne Alkohol bei „Kölle Alarm“ im Hotel Wasserturm. Foto: Rakoczy




Tinzmann moderierte auch das Programm, indessen Rahmen unter anderem Musiker Oli P, das Kölner Dreigestirn, Sänger Tim Toupet, die kölsche Frauenband La Mäng und die Kinder- und Jugendtanzgruppe Soul Bros auf der Bühne standen. Der Erlös der Benefiz-Veranstaltung kommt verschiedenen sozialen Initiativen zugute.

Quelle: ksta.de




 

 

Fuldaer Karnevalsverein braucht Polizeischutz

„Ich bin stolz, ein Neger zu sein“, sagt Wolfgang Schuster und blickt daheim wehmütig auf Fotos, die ihn fröhlich bei der Fuldaer Fastnacht zeigen. Der 75 Jahre alten Rentner ist darauf schwarz geschminkt, trägt eine Perücke mit einem großen Knochen daran, eine Knochen-Kette und Leoparden-Fell. So lief er viele Jahre unter anderem beim Rosenmontagszug, dem größten in Hessen, mit.

Der Fuldaer Karnevalist Wolfgang Schuster als „Neger vom Südend“ (dpa)




Doch am kommenden Montag wird er die wilden Knochen weglassen und sich nicht mehr schwarz schminken. Schuster und der gesamte Karnevalsverein Südend Fulda 1938 e. V. sehen sich Rassismusvorwürfen ausgesetzt. Wegen möglicher Übergriffe bekommen sie beim Umzug sogar Polizeischutz.

Polizeisprecher Martin Schäfer sagt: „Es ist traurig, dass so etwas nötig ist.“ Aber die Beamten können nicht ausschließen, dass Zaungäste die Karnevalisten attackieren. Man habe Hinweise, die auf eine erhöhte Gefährdung deuten. Von handfesten Angriffen über Farbbeutel-Attacken oder Zug-Blockaden erscheine vieles möglich.

Personenschutz für Narren

Deswegen werden Beamte die rund 100 Teilnehmer des Vereins im Zug begleiten – und mögliche Übergriffe mit einer Bodycam aufzuzeichnen versuchen. Personenschutz für Narren – „so etwas hat es noch nicht gegeben. Das ist ein Novum – bei uns und wohl auch an anderen Orten“, sagt Schäfer, der von einem „Riesen-Hype“ rund ums Thema berichtet.

Das alles klingt kurios, doch zum Lachen ist niemand mehr zumute. „Die Angelegenheit drückt leider die Stimmung vor dem Höhepunkt der Karnevalssession“, berichtet Gardeinspekteur Volker Rippert. Er ist Sprecher der Fuldaer Garden, die beim Rosenmontagszug mitlaufen.

„Wir wollen nur fröhlich Fastnacht feiern. Aber jetzt wissen wir nicht, was der Ärger noch alles mit sich bringt. Die Leute vom betroffenen Verein gehen auf dem Zahnfleisch, sind fix und fertig“, so Rippert.

„Völkermord und Unterdrückung verharmlost“

Auslöser für die Provinz-Posse ist Kritik von Sozialwissenschaftlern. Sie sind Mitarbeiter der Hochschule Fulda, äußern sich aber als Privatpersonen. Sie werfen dem Verein vor, Rassismus und koloniale Bildwelten zu verbreiten.

Denn die Mitglieder des Südend tragen Kolonialuniformen und stellen Schwarze in parodierender Weise dar. „Dadurch wird Völkermord, Unterdrückung und Entrechtung verharmlost und gutgeheißen“, heißt es in einer Mail, die breit gestreut wurde.

Die Aktivisten fordern, der Verein müsse seinen Auftritt verändern: Verschwinden müssten die Kolonialuniformen und das Blackfacing, bei dem Weißen ein schwarzes Gesicht gemalt wird. Die Darstellungsformen des Vereins seien „herabwürdigende, menschenverachtende und rassistische Praktiken“.

Der Vorsitzende des Karnevalsverein Südend Fulda 1938 e. V., Andreas Beck, in seiner traditionellen Tropenuniform. (dpa)




Karnevalsverein äußert Unverständnis

Der Vorsitzende des Karnevalvereins, Andreas Beck, sagt dazu: „Die Vorwürfe sind ungeheuerlich. Man muss schon viel Fantasie haben, uns wegen der Uniformen Fremdenfeindlichkeit anzudichten.“ Letztlich seien das Fantasie-Uniformen. Beck findet auch: „Die Gesellschaft wird immer dünnhäutiger. Es gibt immer mehr Leute, die sich in ihren Befindlichkeiten verletzt fühlen. Man denke nur an die Verwendung der Worte: Negerkuss oder Zigeunerschnitzel.“

Ähnlich denkt auch Gardeinspekteur Rippert und vergleicht: „Beim Verein Nordend verkleidet man sich als Eisbären und Pinguine. Bald haben die womöglich noch die Tierschützer am Hals.“ Fuldas Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) sagte zum kuriosen Karnevals-Knatsch, die Wissenschaftler hätten „von der Fastnacht keine Ahnung“.

Der Kern der Fastnacht

Michael Hamperl, Präsident der Fuldaer Karnevalgesellschaft, die den Rosenmontagszug mit seinen Zehntausenden Besuchern organisiert, hält die Rassismus-Kritik für maßlos überzogen. Viele Vereine bezögen sich auf eine geschichtliche Epoche. Da gehe es um Paschas und ihren Harem. Oder auch um Ritter und Gutsherren auf der einen und Knechte und Mägde auf der anderen Seite.

„Aber es wird doch dadurch nicht die Unterdrückung verherrlicht. Wäre der Vorwurf berechtigt, dass man die Ereignisse einer Zeit gutheißt, wenn man ein Kostüm aus ihr trägt, dann kann man die Fastnacht sofort einstellen“, so Hamperl.

Der Präsident des Bundes Deutscher Karneval, Klaus-Ludwig Fess, sagte der „Fuldaer Zeitung“: Wenn die Mitglieder des Vereins Südend an Rosenmontag durch die Straße ziehen, „feiern sie sicherlich nicht die Untaten aus imperialistischer und kolonialistischer Zeit“.

Der „Neger vom Südend“ ist traurig

Als Zugeständnis an die Kritiker, und um nicht Öl ins Feuer zu gießen, verzichten die Narren vom Südend nun auf das Blackfacing, wie der Vereinsvorsitzende Beck sagte. Wolfgang Schuster, der „Neger vom Südend“, ist traurig darüber, dass er sich nicht mehr schwarz schminken wird. „Die Menschen freuen sich schließlich, wenn sie mich an Karneval sehen. Sie fotografieren mich und strecken mir den Daumen anerkennend entgegen.“

Aber auch Schuster sagt: „Wir wollen niemanden provozieren.“ Letztlich hat der Verzicht auf das Schminken auch einen Vorteil. Er wird womöglich bequemer schlafen. Wenn er sonst abends von Veranstaltungen nach Hause kam und früh morgens wieder losmusste, hat er im Sessel sitzend geschlafen, um sich nicht abschminken zu müssen.

Quelle: focus.de