Das sind die acht Tops und Flops der Karnevalssession

   

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Kamelle! Rosenmontagszug in Köln.  Foto: Thilo Schmülgen

Wir blicken zurück auf die jecken Tage: Wat wor jot, wat wor nix? Unsere Tops und Flops der Session.

Dat wor jet …

Rosenmontagszug trotz Sturmwarnung

Die echten und hartgesottenen kölschen Jecken trotzten dem Wetter und sorgten für einen der schönsten Rosenmontagszüge seit Jahren – sowohl die Mitglieder der Karnevalsgesellschaften und Traditionskorps im Zoch als auch die vielen großen und kleinen Zuschauer am Straßenrand. „Et hätt noch immer jot jejange.“

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Die Zugleiter-Lok zieht unter blauem Himmel durch die Stadt. Foto: privat
Für alle war Christoph Kuckelkorn der ganz große Fastelovendsheld. Der Zugleiter und sein Team hatten sich nach den Absagen in Mainz, Düsseldorf und anderswo nicht jeck machen lassen. Besonnen überlegt, klar entschieden und auch eine Portion Glück gehabt.
Gute Lieder, einfach mitzusingen
In Sälen und Kneipen, aber auch am Straßenrand bei den Umzügen wurde gesungen, wie schon lange nicht mehr. Und das nicht nur die immer wieder gerne gegrölten Hits vergangener Jahre, sondern auch die neuen Titel der kölschen Bands. Und die hatten sich in diesem Jahr echt Mühe gegeben. Eigentlich hätte man mehrere Titel als den Sessions-Hit Nummer eins küren können.

Das Rennen machten letztendlich die Paveier, die mit ihrem flotten Song „Leev Marie, ich bin kein Mann für eine Nacht“ sowohl die Mitsing-Tour der Initiative „Loss mer singe“ gewannen als auch beim Funken-Biwak von den Traditionskorps für das beste Lied ausgezeichnet wurden.
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Mitsingen bei den Hits der Session.  Foto: Thilo Schmülgen
Nur knapp dahinter in der Gunst der singenden Jecken landeten die fünf Musiker von Miljö mit „Su lang die Leechter noch brenne“ ihren ersten Hit. Beide Songs werden auch in den kommenden Sessionen noch begeistert gesungen werden.

Aber auch bei Liedern wie „Jeck Yeah“ (Brings), „Immer, immer widder“ (Cat Ballou), „Dausend Levve“ (Kasalla) oder „Kumm loss mer danze“ (Höhner) ist das Verfallsdatum noch lange nicht erreicht. All diese Lieder kann man auch im Sommer noch singen – ganz ohne Karneval.

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Caroline Kebekus bei „Deine Sitzung“.  Foto: Thilo Schmülgen

Beer Bitches mit „Helau“

Was stellt eine Beziehung im Karneval so richtig auf die Probe? Nicht das Bützen, nicht der Alkohol. Richtig hart ist es, wenn der Auserwählte an Karneval nicht „alaaf“, sondern „helau“ ruft.

Komikerin Carolin Kebekus und die Beer Bitches (Nadine Weyer und Irina Ehlenbeck) landeten mit ihrer kölschen Cover-Version von Adeles Superhit „Hello“ einen echten Sessions-Hit.

Ein lustiger Text, beeindruckende Sangeskünste und eine Melodie, die sowieso schon jeder als Ohrwurm im Kopf hat: Die Nummer wurde nur wenige Stunden nach der TV-Ausstrahlung von „Deine Sitzung“ zum Hit im Netz. Besonders junge Leute verbreiteten das Lied über die sozialen Netzwerke. Karneval findet eben zunehmend auch im Internet statt und erreicht dort neue Zielgruppen, die Sitzungen normalerweise für spießig halten.

Ein Imagegewinn für alle Beteiligten: den Karneval, die Beer Bitches und das „Alaaf“ als den einzig wahren Schlachtruf der Jecken. Inzwischen gibt es neben dem Mitschnitt aus der Sitzung sogar ein eigens produziertes Youtube-Video zu dem „Helau“-Song.

Ehrenamtler machen ÜberstundenDie kurze Session bedeutet für viele Jecke Stress, aber kaum jemand „malocht“ im Karneval so intensiv wie Prinzenführer und Adjutantur des Dreigestirns. Weit über 400 Auftritte absolvieren die Ehrenamtler von Proklamation bis „Zick eröm“, ihren Tollitäten stets zu Diensten, immer aus dem Ei gepellt, pünktlich, bescheiden und fast immer gut gelaunt.

Selbst wenn sie vormittags noch arbeiten gehen, lassen sie sich nichts anmerken. Das ist eine stramme Leistung. Die vier sollen hier stellvertretend für alle anderen Ehrenamtler gewürdigt werden, ohne die der Karneval nicht funktioniert.

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Puppensitzung im Hänneschen.  Foto: Hennes

WDR entfernt sich vom einfachen Jeck

Der einfache Jeck fragt sich, wofür er dem öffentlich-rechtlichen WDR Zwangs-Gebühr bezahlt. Einerseits nimmt der ihm, neben dem Geld, auf dem Severinskirchplatz komplett die Sicht auf die Züge, andererseits stellt er etwa ab 2017 die Übertragung der Hänneschen-Sitzung ein.

Sollte es nicht Auftrag des Senders sein, auch Kultur jenseits von Kommerz und Mainstream zu fördern und zu zeigen? Das ist mit der gefühlt 1823. Wiederholung des Colonia-Duetts nicht getan. Wenn der Programmdirektor auf der Tribüne „kölsche Jung“ singt, sollte er darüber mal ’ne Viertelstunde nachdenken.
Medienwirksame Flüchtlingsintegration

Die Flüchtlingskrise hat auch den Karneval erreicht. Entsprechend bemüht waren viele Institutionen, die 11.000 Flüchtlinge in Köln in das jecke Treiben einzubinden. Einige Veranstaltungen gingen dabei aber nach hinten los.

Beim Karnevalsunterricht der Caritas wurde teilweise so tief in die Klischee-Kiste gegriffen, dass die Flüchtlinge zwischenzeitlich pauschal als Grabscher und maßlose Biertrinker hingestellt wurden. Das Event wurde bundesweit von Medien begleitet. Hier sollte der Eindruck vermittelt werden: Köln hat seine Flüchtlinge im Griff.

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Karnevalsunterricht für Flüchtlinge.  Foto: Thomas Banneyer
Auch ein Besuch von Dreigestirn und Kinderdreigestirn – mit Unterstützung der Kölner Bank – in einer Flüchtlingsunterkunft in Porz war zwar medienwirksam, aber vor allen Dingen äußerst schlecht organisiert. Es gab keine Ansagen, keine Erklärungen, keine Übersetzungen. Zumindest die Mini-Tollitäten und ihr Gefolge gingen auf die Flüchtlingskinder zu, tanzten und schunkelten.

Das große Dreigestirn und die Equipe blieben unter sich und waren schnell wieder weg. Natürlich sollen Flüchtlinge integriert werden, auch in den Karneval. Dabei sollte es aber in erster Linie um die Menschen und nicht um irgendein Image gehen.

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Das Motto der Session: Mer stelle alles op der Kopp.
Motto verschenkt

„Mer stelle alles op der Kopp“ war ein gutes Sessionsmotto, das durchaus Potenzial für Neuerungen im Karneval geboten hat. Leider wurde nur wenig davon umgesetzt. So hätte man beispielsweise das Motto als Anlass für ein weibliches Dreigestirn nehmen können. Der Rosenmontagszug hätte die umgekehrte Wegstrecke laufen können. Die sonst üblichen Entscheidungsträger hätten ihre Macht an andere abtreten, Ehrengäste mal hinten sitzen können.

Das Motto eignete sich nicht zum Verkleiden, muss es auch nicht. Schließlich ist es ursprünglich als Leitspruch für den Rosenmontagszug und nicht als Kostümaufruf gedacht. Aber viele Möglichkeiten zur politischen Interpretation, zur Umkehr der bestehenden Verhältnisse wurden verschenkt.

Stattdessen beschränkte man sich darauf, auf einigen Festwagen die Figuren auf den Kopf zu stellen. Dazu hatte beispielsweise die KG Große Braunsfelder vollmundig angekündigt, in ihrer Herrensitzung mottogetreu „alles op der Kopp“ zu stellen. Schlussendlich saßen dann zehn Frauen im Elferrat, die Leitung blieb aber selbstverständlich in männlicher Hand.

Da hätte man sich ruhig mehr trauen können. Eine Ausnahme boten die Orden mancher Gesellschaften: In vielen Motiven ließ sich der Dom oder eine Figur kopfüber drehen.

Einige lustlos wirkende Auftritte

Jedes Dreigestirn hat seinen eigenen Stil, interpretiert die Rolle anders. Gut so. Dieses Jahr beriefen sich die Tollitäten darauf, einfach „kölsche Junge“ zu sein. Nette Idee, aber reicht das?

Das schöne Kölsch des Prinzen ging leider dank monotonster Stimmlage oft unverständlich im Saal unter. Und die Standardbegrüßung „Moooorjen!“ reicht als Running Gag zu einem Kegelclub-Wochenendausflug, aber so begrüßt man keine Grundschüler.

Warum es Prinz, Bauer und Jungfrau gibt? Das sollte man wissen. Vielleicht wäre das ein oder andere Buch in der Vorbereitung ja hilfreich gewesen.

… für Euch gefunden auf ksta.de

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