Helau! Mainz startet um 11.11 Uhr auf dem Schillerplatz in die närrische Saison

   
Vom Balkon des Osteiner Hofs grüßen die Narren um OB Michael Ebling (2.v.r) am Elften im Elften. Foto: Sascha Kopp

Vom Balkon des Osteiner Hofs grüßen die Narren um OB Michael Ebling (2.v.r) am Elften im Elften. Foto: Sascha Kopp

Als sich Richard Wagner auf den Weg in die Stadt macht, kommt dem Präsidenten des Mainzer Carneval-Vereins ein Spruch in den Sinn: Elf Kerzen hab ich im Dom aufgestellt und das Wetter für euch bestellt. „Denn es ist ja fast Frühling“, so Wagner kurz vor 11 Uhr im Osteiner Hof der Bundeswehr. „Es passt, elf Grad“, ergänzt Kay-Uwe Schreiber, närrischer Minister des MCV für den Rosenmontagszug. Vor allem: es regnet nicht. Und Wagner, dessen Verein in diesem Jahr 175. Geburtstag feiert und mit Aline I. und Richard I. das Prinzenpaar stellt, schleudert den Spruch dann über 5.000 Narren vom Balkon entgegen. Der erste große Jubel auf dem Schillerplatz, bevor der MCV-Präsident mit den Fastnachtern den Countdown bis 11.11 Uhr zum Besten gibt. Das folgende „Helau“: eine Erlösung für viele nach vielen Monaten der närrischen Enthaltsamkeit.

Was für eine imposante Menschenmenge. „Früher war ich immer da unten und habe nicht gedacht, dass ich mal hier auf dem Balkon stehen würde“, sagt Aline Leber nach dem ersten Gruß ans Volk – Stunden vor ihrer eigentlichen Inthronisierung am Abend. „Es ist ein Riesenhighlight für mich“, so die Nackenheimerin. Und die Worte ins Mikrofon gehen ihr problemlos über die Lippen. „Jetzt bin ich ganz ruhig“, sagt sie später. „Heute Abend in voller Montur wird das aber wohl wieder anders sein.“ Prinz Richard Wagner jun., Filius des MCV-Chefs, bekennt: „Ich habe schon ein bisschen schlecht geschlafen.“ Er hatte ein bisschen Angst, etwas falsch zu machen. Aber die ist letztlich unbegründet.

RuckiZucki Rock ´n´Roll

Um 11.25 Uhr ist der offizielle Akt auf dem Balkon vorbei, die Verlesung des närrischen Grundgesetzes durch Frank Herdemann, den Vize-Präsidenten der Hechtsheimer Dragoner, Geschichte. Artikel 1: „Die Würde der Narren ist unantastbar, egal wo mer hie greift“. Der Artikel hätte schon ein erstes „Uiuiuiui“ der Kampagne verdient. Es folgt Bühnenprogramm mit Thomas Neger und Andy Clormann von Radio RPR. Und Fastnachtsschwergewicht Neger verkündet gleich: „Jetzt gibt es Rock ´n´Roll.“ Eine besondere Version von „RuckiZucki – dem Klassiker seines Großvaters Ernst Neger. Die Menschenmenge tanzt mit. Genauso wie sie es nachfolgend bei Onkel Hermann, Oliver Mager & Co. macht.

Beck geht nicht mehr in die Bütt

Auch der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling bekennt, während seiner Worte an die Mainzer vom Balkon ein bisschen aufgeregt gewesen zu sein. „Es war schließlich mein erstes Mal. Und da unten ist es proppenvoll.“ Der geübte Protokoller der Mombacher Bohnebeitel grüßte das Volk in Versform. Unter anderen mit Sätzen zur Versorgungssituation: „Ein OB hat vor der Worscht wie jeder anner auch mal dorscht – besonders wenn´s die Stadt nix kost. Egal wie´s kimmt, darauf ein Prost.“ Dann lüftet Ebling das Geheimnis, ob er im ersten Jahr seiner Amtsausübung die Fastnachtskarriere fortsetzt: „Ich geh nicht in die Bütt, ich schaff´s einfach nicht“, sagt der Sozialdemokrat.

Auch im Osteiner Hof ist es voll. Auch deshalb, weil der Südwestrundfunk erstmals zwei Stunden live von der Fastnachtseröffnung sendet. „Es ist eine Herausforderung für uns, die wir aber gerne annehmen und im Team bewältigen“, sagt Kay-Uwe Schreiber. Als SWR-Reporter unterwegs ist AZ-Kolumnist Sven Hieronymus – und zwar ganz ohne Kostüm. „Blödmann“ steht auf dessen T-Shirt. Auf die Frage, ob sich das auf Träger oder Leser bezieht, sagt Hieronymus. „Ich bin der Blödmann und du des Blödmanns Gehilfe.“ Das wäre also geklärt. Um 17.11 Uhr ist Abmoderation auf dem Schillerplatz. Dann beginnt im Mainzer Schloss die große Show des MCV. Mit der Kür der Totalitäten.

Quelle: http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/meldungen/12583673.htm

           
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