Kölscher Komödiant – Der große Hans Süper ist 80

   

 

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Hans Süper im „Sölzer Klaaf“ vor Bilder seiner großen Karriere, links das Colonia Duett, rechts das Süper Duett. Foto: Thilo Schmülgen

„Wat willste met achzig Johr verlange?“ Hans Süper beantwortet die Frage danach, wie es ihm geht, mit einer Gegenfrage. Wenn es ihm schlecht ginge, würde man es nicht erfahren. „Über Krankheiten spricht man nicht. Die hat man nur.“ Also: „Mir jeit et immer jot.“

Ika, die Wirtin vom „Sölzer Klaaf“ bringt ein frisches Kölsch. Hier wird der 80. Geburtstag gefeiert, im kleinen Kreis. „Nur de Familch“ komme. „Mer maache dat schön jemötlich.“ Ein großes Fest ist am 14. Mai im Maritim-Hotel geplant. Anlass ist dann sein 66-jähriges Bühnenjubiläum.

„E bessje musikalisch“

Sein Vater Hans, Mitglied der legendären „Vier Botze“, hatte seine beiden Söhne einst in den Karneval geschickt. Er hatte festgestellt, dass „ich e bessje musikalisch“ war, sagt der Meister an der Mandoline im Rückblick bescheiden. „Un weil ich immer löstich wor, entstand die Idee, so ein Duett ze maache.“ Bei den „Zwei Schnürreme“  sei er die „kleine Sau“ gewesen, der Bruder „dr Drügge“.

Was die beiden Jugendlichen Anfang der 1950er Jahre umsetzten, war Jahrzehnte später auch das Erfolgsrezept für das unerreichte „Colonia Duett“: Gemeinsamer Gesang und witzige Dialoge mit klarer Rollenverteilung. Süper war der Unangepasste, Schräge. Der, der alles durfte und Witze auf Kosten des anderen machen konnte. Ein klassischer Clown aber war er nie, denn Süpers Häns spielte keine Rolle. Er war immer er selbst, wenn er auf der Bühne stand.

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Hans (l.), als 15-Jähriger mit Bruder Paul auf der Bühne. Foto: privat

Heute ist seine Bühne die Straße, die Kneipe oder sein Lieblingscafé in Sülz – immer in Bewegung, zu jedem Anlass ein Witz.  Eine Type musste für ihn nicht erfunden werden, denn er war selbst eine. Selbsterlebtes war immer die beste Vorlage für eine gute Pointe.

Kindheit und Jugend

Geboren wurde der wohl beste Kölner Komödiant aller Zeiten am 15. März 1936 im Severinsklösterchen. Drei Jahre später begann der Zweite Weltkrieg. Der Vater meldete sich  freiwillig bei der Wehmacht, um mit Stimmungsliedern und Parodien für Zerstreuung bei den Soldaten zu sorgen.

Zu Hause fielen die Bomben, Süper wurde aufs Land geschickt, lebte später mit Bruder und Mutter in Sachsen. Nach dem Krieg ging es zurück nach Köln. Jemand habe ihnen aus einem Gummireifen Sandalen gemacht, erzählt er in seiner  Biografie „Hans Süper – Mein Leben mit der Flitsch“.

Krieg und Nachkriegszeit haben ihn geprägt. Und so ärgert es ihn, dass so viele immer wieder vergessen, was es heißt, wenn Hass und Zwietracht  das Miteinander prägen. „Mein größter Wunsch zum Geburtstag ist, dass die Leute wach werden. Wir leben in so einer schönen Welt, und sie wird durch Kriege und Intrigen kaputt gemacht.“ Wenn Süper seinen Worten Gewicht geben will, spricht er Hochdeutsch.

Er sagt, er habe alles richtig gemacht im Leben. Wer die vielen Geschichten aus dem bewegten Künstler- und Privatleben kennt, wird sich über diese Aussage ein wenig wundern. Aber für Süper selbst spielt das keine Rolle: Die Dinge passieren, und man hat sie zu nehmen wie sie sind. „Et kütt, wie et kütt.“

Mit so einer Haltung kann man sich auch schützen – gegen Rückschläge, Neider und Enttäuschungen. Von allem gab es vieles. Aber es wird überstrahlt vom Erfolg und der Liebe und Verehrung, die ihm auch heute noch überall begegnet. Der kleine Mann war schließlich einer der Größten der Stadt.

Erfolgreich im Kölner Karneval

Auf den Karnevalsbühnen lag ihm als Komiker nicht nur das Rheinland zu Füßen, wenn er über das „Ei“ – Hans Zimmermann im „Colonia Duett“ – spottete oder später seinen Partner im „Süper Duett“, Werner Keppel, aus der Ruhe brachte.  Seine herausragende Musikalität, sein Können an der „Flitsch“ – ohne dass er eine Note lesen konnte – fand erst nach dem Ende des „Süper Duetts“ 2001 die angemessene Beachtung.

„Der spielt auf vier Saiten Akkorde mit sechs Tönen, ganz ausgefuchste Harmonien, ohne zu wissen, was er da eigentlich tut. Das geht nur mit einem ganz außergewöhnlichen musikalischen Gehör“, schwärmt Bigband-Leader und Jazz-Pianist Mike Herting. Viele Jazzmusiker und Unterhaltungskünstler holten ihn für Kooperationen ins Studio oder auf die Bühne. Heute tritt er nur noch selten auf:  ein, zwei kleine Konzerte im Jahr, das soll reichen.

Vor drei Jahren sind Hans und seine Ehefrau Helga, die am Sonntag 79 Jahre alt wurde, aus ihrer Wohnung an der Luxemburger Straße ausgezogen. 60 Jahre haben sie dort gewohnt, am Ende habe er Fische in Rattenfallen gefangen, so feucht sei es dort gewesen, sagt Süper. Der Auszug sei ihm trotzdem schwer gefallen. Zum Glück habe er in Sülz bleiben können.

Seine vielen Angelruten sind mit umgezogen. Die putze er „erop un erunger“, alle Haken werden selbst gebunden. Der Fischfang bleibt das größte Hobby des Karnevalsrentners – obwohl er gar keinen Fisch mag.  Wenn er in Rodenkirchen an der „Alten Liebe“ einen Fisch fängt, wird dieser in aller Regel wieder frei gelassen. Was die Faszination des Angelns ausmacht, kann er nicht so genau sagen. „Ich weiß auch nicht, was das ist. Das Wasser, die Vögel, die Natur. Ich brauche das.“

Was wünscht er sich für die nächsten Jahre? „Ein bisschen vom Leben“ wolle er noch haben. Und dass seine Frau dabei mitmacht. Ins geliebte Spanien, wo die Süpers einst jedes Jahr viele Monate verbrachten, können sie nicht mehr reisen. Aber ein paar Urlaube auf Usedom sollten noch möglich sein, hofft der Jubilar.

Er zeigt ein Foto auf dem Handy-Display: Auf dem Wohnzimmertisch brenne immer eine Kerze „für uns und andere“ – damit die Wünsche in Erfüllung gehen.

Quelle: Kölner Stadt Anzeiger

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