Menschenkette in Köln – Ehrengarde will ein Zeichen setzen

   

Plötzlich wird es still im großen Saal des Maritim-Hotels, all die Ehrungen und Beförderungen sind auf einmal nicht mehr so wichtig.

Der Präsident und sein Korps: Hans-Georg Haumann darf nun als Marschall angesprochen werden. (Foto: Meisenberg) 

 

Curt Rehfus, Kommandant der Ehrengarde und Moderator des Regimentsappells, weicht vom Protokoll ab, tritt in die Mitte der Bühne und beginnt nachdenklich zu erzählen: Die Silvester-Debatte bezeichnet er als „beschämend“, er bemängelt einen „vorurteilsbehafteten Blick auf den Karneval“ sowie „Eingriffe in die ungezwungene Lebensart“. Und: Das Engagement der vielen Karnevalsvereine für die Stadtgesellschaft müsse man „deutlich nach außen transportieren“.

Das Erstaunen im Saal ist spürbar, denn außer Ehrengarde-Präsident Hans-Georg Haumann ist niemand in diesen thematischen Abstecher eingeweiht. Aber Curt Rehfus ist noch nicht fertig, er schlägt vor, „ein Zeichen zu setzen“.

 

 

„Vorurteilsbehafteter Blick auf den Karneval“

Alle dem Festkomitee angeschlossenen Vereine – das sind immerhin mehr als 100 – könnten sich in der Innenstadt treffen, eine Menschenkette initiieren und den Passanten „unsere Idee vom Karneval“ näher bringen. Um Werte solle es gehen, ums „Innehalten und Nachdenken“.

Der Beifall ist sehr ordentlich, im Saal sitzen die Präsidenten vieler großer Vereine und Korpsgesellschaften, Vertreter von Stadt und Kirche, dazu zwei ehemalige Oberbürgermeister. Überrascht von dem Vorstoß ist auch Dr. Joachim Wüst, Vize-Präsident des Festkomitees. „Der Karneval soll Politik und auch Mitmenschen den Spiegel vorhalten. Es ist gut, dass er den Mut hat, das zu sagen“, betont Wüst.

 

 

Klar Stellung beziehen

Am Nebentisch sitzt Heinz-Günther Hunold, Präsident der Roten Funken, die Weiberfastnacht vor einem Jahr sehr öffentlichkeitswirksam eine Kette um den Dom gebildet hatten, um diesen vor Wildpinklern und Randalierern zu schützen, die den Karneval als Freifahrtschein für schlechtes Benehmen missbrauchen. „Klar Stellung zu beziehen, halte ich für wichtig, damit nicht der Eindruck entsteht, die Karnevalisten feiern fernab der gesellschaftlichen Debatten süß ihr Fest“, sagt Hunold.

Haumann, der Präsident der Ehrengarde, spricht von einem „Gedankenanstoß“, den sein Korps geben wolle. Kurz darauf wird er zum Marschall befördert, ein Dienstgrad, den nur Präsidenten erreichen können. Er wolle weiter versuchen, „Höchstleistung im Sinne der Ehrengarde zu bringen“, sagt er und wird mit viel Applaus bedacht. Sein Vorgänger, Heinz Berenbrock, wird kurz darauf zum Ehrenpräsidenten ernannt, Rainer Haid und Alfred Tellenbach erhalten für ihre Vorstandsarbeit den Ehrengarde-Verdienstorden.

 

 

Quelle: rundschau-online.de

 

 

Posted by kapaaf.de – Der KarnevalsBLOG on Dienstag, 3. Januar 2017

           
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