Sessionseröffnung auf dem Heumarkt ohne die kölschen Top-Bands?

   
Sessionseröffnung am Elften im Elften auf dem Heumarkt ohne die ganz großen kölschen Top-Bands – das ist eigentlich unvorstellbar. Aber nach dem Rückzug der Bläck Fööss („Das ist alles zu groß, zu unübersichtlich und zu ungemütlich geworden“) vor zwei Jahren von dieser Veranstaltung haben in den vergangenen Monaten auch andere Gruppen diskutiert, zu welchen Bedingungen sie noch weiter bei der von der Willi-Ostermann-Gesellschaft organisierten und live vom WDR übertragenen Karnevals-Sause auf den Heumarkt auftreten.

 

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Peter Brings Foto: Martina Goyert

 

 

Bands rücken zusammen

So hatten sich seit April jeweils zwei Vertreter der sechs derzeit besten und gefragtesten Bands – Höhner und Bläck Fööss, Brings und Paveier, Kasalla und Cat Ballou – regelmäßig zu einem Meinungsaustausch getroffen.

„Früher gab es das so nicht, aber der ganze Karneval hat sich verändert, und da rücken auch die Bands enger zusammen“, sagt Fööss-Gitarrist Bömmel Lückerath.

Das sieht Dominik Schönenborn, Keyboarder bei Cat Ballou, ähnlich. „Wir haben Themen gefunden, die uns alle betreffen. Nichts Dramatisches. Aber wer uns kennt, weiß auch, das wir uns für etwas Gutes einsetzen.“

Intern bezeichnete man diesen Band-Zusammenschluss als „IG Sixpack“.

 

 

Betrunkene Jecke, keine Gage

„Es gab mehrere Anlässe. Ausschlaggebend unter anderem war unsere gemeinsame Kritik an der Heumarkt-Veranstaltung“, sagt Henning Krautmacher von den Höhnern. „Da gab es offene Fragen. Die wollten wir nüchtern und sachlich angehen. Das ist eine ernstzunehmende Angelegenheit und unser gutes Recht. “

Es ging vor allem um organisatorische Fragen wie Probleme bei der Anfahrt und einen überfüllten Backstage-Bereich, bei dem so manch betrunkener Jeck auch mal locker in einen Gitarrenkoffer getreten ist.

Aber es ging auch ums Geld. „Die Bands treten doch seit Jahren dort »ömesöns« auf und legen sogar noch aus der eigenen Tasche drauf, weil sie ja ihre Techniker und Aufbauhelfer bezahlen müssen“ sagt Detlef Vorholt von den Paveiern.

Das sei bei einer reinen Benefizveranstaltung ja auch in Ordnung, aber nicht bei einem Programm, für das die Besucher teilweise Eintritt bezahlen, und für das wegen der viereinhalbstündigen Übertragung durch den WDR auch erhebliche Fernsehgelder fließen.

Festkomitee vermittelt – mit Erfolg?

 

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Die Zustände rund um den Heumarkt stehen im Zentrum der Kritik. Foto: Worring

 

 

Die Musiker der sechs Bands forderten mehr Transparenz ein und schickten als ihre Vertreter die beiden Geschäftsführern der Plattenfirmen Pavement (Christoph Gros) und Rhingtön (Marco Lorbach) zu den Verhandlungen mit dem WDR, der veranstaltenden Karnevalsgesellschaft und dem Festkomitee Kölner Karneval.

Wohl mit Erfolg. „Die Sessionseröffnung am 11.11. findet mit den Bands statt, die durch das sogenannte Sixpack vertreten werden. Durch Vermittlung des Festkomitees konnte eine Lösung gefunden werden, die für alle Beteiligten zufriedenstellend ist“, sagte Markus Ritterbach dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Doch da irrt der Präsident. Die Fööss halten an ihrem Boykott des Heumarkts fest und treten dort nicht auf. Nähere Details zur „Lösung“ gibt es von dieser Seite nicht. „Die vertraglichen Vereinbarungen zwischen dem Festkomitee und dem WDR unterliegen der üblich vereinbarten Vertraulichkeit unter den Vertragspartnern“, heißt es.

 

 

Das soll am Heumarkt besser werden

Ralf Schlegelmilch, der Präsident der Ostermann-Gesellschaft, gibt sich tiefenentspannt: „Da wurden allerlei Themen in einen Topf geschmissen und Äpfel mit Birnen verglichen. Aber am Ende des Tages treten die Kollegen alle an.“

Er sagte zu, dass der Backstage-Bereich anders gestaltet werde und auch die Bühne eine andere Aufteilung erhalten solle. Weitere Neuerungen seien geplant, doch darüber will die KG erst auf einer eigenen Pressekonferenz in vier Wochen reden.

Auch die Musiker und ihre Vertreter äußern sich inzwischen zufrieden. „Es wird diesmal eine Kostenpauschale für die Techniker geben“, sagen Gros und Lorbach. „Und das nicht nur für die sechs Bands des sogenannten Sixpack sondern für alle 42 Gruppen, die bei der Sessionseröffnung am Heumarkt auftreten.“ Das habe man so ausgehandelt. Schließlich handele es sich bei dem Zusammenschluss dieser sechs Bands „mitnichten um einen Lobby-Verband oder einen elitären Kreis“, wie es in einem offenen Brief an die Kollegen fast aller kölschen Gruppen formuliert wird, der dem „Stadt-Anzeiger“ vorliegt und der am Dienstag verschickt wurde.

 

 

Der Plan sei immer gewesen, auch andere Musiker mit ins Boot zu holen, wenn man sich auf Ziele und Vorgehensweise geeinigt, erste Gespräche geführt und Probleme angesprochen habe. „Es wird auf Dauer sicher kein kleiner Kreis bleiben und schon gar kein elitärer“, sagt Peter Brings.

Das sieht Kasalla-Sänger Basti Campmann genau so: „Jeder, der mit konstruktiven Vorschlägen zu uns kommt, kann sich doch einbringen und mitmachen.“ Allerdings sei es schlicht effizienter, „in einer kleinen Gruppe zusammen Hand in Hand loszulaufen als direkt mit einer großen Truppe mit zwei Dutzend oder mehr Parteien“.

Auch wenn man „bewusst nicht nur auf Eigeninteressen“ schauen wolle sondern viele generelle Dinge angehen möchte, die alle Künstler gleichermaßen betreffen, sei man natürlich nicht das offizielle Sprachrohr oder die Vertreter der gesamten Musikszene der Stadt.

Bei den gemeinsamen Gesprächen sei es zu keinem Zeitpunkt um Verträge und Gagenabsprachen – das sei weiterhin individuelle Verhandlungssache – oder um Benachteiligung kleinerer Vereine oder anderen Musikgruppen gegangen, heißt es in dem Schreiben. Während man zu der Heumarkt-Veranstaltung nur ein erstes Ergebnis vorlege, seien andere Dinge derzeit noch in Bewegung. „Da bitten wir um Geduld, bis die Gespräche mit Partnern abgeschlossen sind und wir Ergebnisse und Details präsentieren können. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre dies schlicht nicht seriös.“

Quelle: ksta.de

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