Siegburger Karnevalskomitee wirft Stadtsoldaten raus

   

Kaum haben sich die Stadtsoldaten Rot-Weiß von ihren internen Problemen erholt und wollen nach zweijähriger Abstinenz ihr Comeback wagen, da schießt das Karnevalskomitee auch schon quer.

Per Mehrheitsentscheidung hat das Komitee das traditionsreiche Korps rausgeworfen.

 

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Stippeföttche wird bei den Rot-Weißen traditionell schon im November getanzt. Das ist dem Komitee ein Dorn im Auge. Foto: Mischka

 

 

Anlass ist ausgerechnet das geplante Comeback – die „Milljö-Sitzung“, mit der die Rut-Wieße ihren 88. Geburtstag feiern wollen – am Freitag, 18. November. Und genau das ist der Punkt. Denn 2010 habe das Komitee beschlossen, keine Karnevalssitzungen mehr im November zuzulassen.

„Wir haben immer wieder Ausnahmen gemacht“, erläutert Komiteepräsident Günter Krengel. Doch jetzt platzte ihm der Kragen. Die Rot-Weißen hätten, ohne ihn zu informieren, geschweige denn zu fragen, ihre Sitzung auf den 18. November gelegt.

„So geht’s nicht“, wetterte Krengel und fand unter den Mitgliedsvereinen der Dachorganisation offenbar genug Gleichgesinnte. Von 44 Stimmberechtigten entschieden sich 26 für den Rauswurf, drei stimmten dagegen, 18 enthielten sich der Stimme.

 

 

Seit 27 Jahren Tradition

Dennoch hält Wolfgang Schmitz, langjähriger Präsident und jetzt Ehrenpräsident der Stadtsoldaten, den Beschluss für ungültig. Laut Satzung hätte das Ausschlussverfahren auf der Tagesordnung stehen müssen, „damit alle informiert sind“.

Auch die Begründung nennt der Ehrenpräsident „lachhaft hoch drei“. Ein Ausschluss aus dem Komitee sei nur bei „schwerwiegenden Verstößen“ möglich. Dazu könne ja wohl nicht eine Sitzung im November zählen, die bei den Rot-Weißen „seit 27 Jahren“ Tradition habe, sagt der Stadtsoldat und will zurückschießen. Sobald der Komitee-Beschluss, wie vorgeschrieben, innerhalb von 14 Tagen per Einschreiben vorliege, wolle er dafür plädieren, den Rauswurf anzufechten. Er beruft sich dabei auch auf den Bund Deutscher Karneval, der vor einem Jahr ausdrücklich Sitzungen auch im November zugelassen habe.

Aber Krengel, so kontert Schmitz, wolle „wieder einmal seine persönliche Meinung durchdrücken.“

Der Rut-Wieße verweist hingegen auf die Nachbarstädte: „Schauen Sie sich doch um, in Hennef findet am 18. November sogar die Prinzenproklamation statt!“

Nicht aber in Siegburg. Dort werden die Tollitäten traditionell erst im Januar proklamiert. Und auch deshalb ist Krengel gegen Frohsinn im Trauermonat.

 

 

Natürlich kenne er das Argument, im November seien die Karnevalisten leichter und preisgünstiger zu bekommen, aber in Siegburg müssten die Sitzungen dann zwangsläufig ohne Tollitäten über die Bühne gehen: „Der Prinz hat dann weniger Auftritte.“

Der Komiteepräsident fürchtet um die Bedeutung des höchsten Amtes im Fastelovend.

Freilich: Konsequenzen habe der Rauswurf für die Stadtsoldaten „nicht wirklich“, räumt Krengel ein, zumal der Verein „quasi nicht mehr existent ist“, fügt er hinzu.

Bei rund 60 Mitgliedern ist das Korps auf gerade mal 15 Aktive geschrumpft und muss nach zwei überraschenden Rücktritten ohne Vorsitzenden auskommen, Vize Wolfgang Karwatzki zugleich das Amt des Schatzmeisters ausfüllen.

So scheint die Mitgliedschaft im Komitee für das Korps eher eine Imagefrage zu sein.

„Eigentlich sparen wir dadurch sogar“, räumt Schmitz ein. Bislang habe sein Verein jedes Jahr rund 600 Euro an das Komitee abführen müssen, unter anderem für den Rosenmontagszug und das Budget der Tollitäten.

Andererseits aber müsse das Korps jetzt für die Teilnahme am Rosenmontagszug zahlen, entgegnet Krengel. Fünf Euro pro Person und 150 Euro pro Wagen stellt das Komitee Nichtmitgliedern in Rechnung. Und wenn sie sich den Prinzen für ihre Sitzung wünschen, müssen sie 200 Euro hinblättern.

Aber das ginge ja im November ohnehin nicht.

 

 

Das ist für die „Milljö-Sitzung“ geplant

Für das heftig umstrittene Comeback haben sich die rot-weißen Stadtsoldaten etwas ganz Besonderes ausgedacht. „Milljö-Sitzung“ nennen die Rut-Wieße ihr Rezept, mit dem sie am Freitag, 18. November, ab 19.15 Uhr im Schützenhaus Karneval „wie et fröher wor“ feiern wollen – jenseits vom Partyrummel und auf Augenhöhe mit dem Publikum.

Statt eines Elferrates sitzt ein Teil der Zuschauer sogar auf der Bühne. Und als Präsident führt Anton Kolvenbach von der Kölner KG „Nix em Büggel“ stellvertretend für die Stadtsoldaten durch das Programm. Das hat bei aller Beschaulichkeit durchaus Spitzenkräfte zu bieten , unter anderen das „Dellbrücker Boore Schneuzer Ballett“, Uli Teichmann, King Size Dick und die „Kölsch Fraktion“.

Kölner Brauhaussitzungen sind das Vorbild, erklären Rot-Weiß-Ehrenpräsident Wolfgang Schmitz und der Stellvertretende Vorsitzende, Wolfgang Karwatzki. Bei den beiden können auch die Eintrittskarten für die Sitzung zu 27 Euro bestellt werden. Schmitz ist unter 02241/590 451, Karwatzki unter 02241/51 667 zu erreichen.

 

Quelle: rundschau-online.de

 

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